ArtikelDas ZerRspiegeL-Interview (1980)
VerfasserHelmut Richter
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Das ZerRspiegeL-Interview (1980)

Vor etwa zwei Jahren wurde am Neidblitz-Röchelzentrum der größte Hobel Münchens installiert. „Hobel“, so werden die Röchelanlagen von den Insidern (engl. = Einseitiger) zärtlich genannt. Über die Erfahrungen der letzten Jahre sprach der ZerRspiegeL mit Prof. Müllsäger, dem Leiter des Neidblitz-Röchelzentrums.

ZRL: Herr Prof. Müllsäger, können Sie unseren Lesern etwas über die Aufgaben des Neidblitz-Röchelzentrums sagen?
Prof. Müllsäger: Ja, gerne. Es ist die Aufgabe des Röchelzentrums, im Münchner Raum möglichst viele Röchelanlagen aufzustellen. Wir haben in letzter Zeit diese Aufgabe recht gut erfüllen können, schließlich haben wir jetzt den größten Hobel Oberbayerns.
ZRL: Wie sah denn die bisherige geschichtliche Entwicklung aus?
Prof. Müllsäger: Es begann alles im Jahre 1956 mit der PERM (= Provisorisch Elektrifizierte Röchel-Maschine), für damalige Verhältnisse ein recht ansehnlicher Hobel mit seinen 8 K; das sind sozusagen die PS der Röchelanlagen. In mehreren Schritten haben wir seitdem aufgestockt, so daß wir jetzt den größten Hobel Bayerns haben.
ZRL: Und was ist aus der PERM geworden?
Prof. Müllsäger: Sie steht jetzt im Zimmer meines Kollegen Prof. Landwirt und ist somit der größte Hobel im Dienstzimmer eines deutschen Hochschullehrers.
ZRL: Sie sprachen vorhin von Aufstockung. Da hat sich doch sicher auch der Mitarbeiterstab des Neidblitz-Röchelzentrums vergrößern müssen?
Prof. Müllsäger: Sehr richtig. Sie dürfen aber nicht vergessen, daß unsere Mitarbeiter selbst die begeistertsten Benutzer sind, daß also nicht nur die größeren Hobel mehr Mitarbeiter erfordern, sondern umgekehrt die größere Anzahl von Mitarbeitern den Bedarf für größere Hobel schafft. Das Resultat sehen Sie ja: wir haben jetzt den größten Hobel Deutschlands.
ZRL: Apropos Bedarf: Wie wird der eigentlich ermittelt?
Prof. Müllsäger: Durch unsere allseits sehr beliebten Umfrageaktionen. Die letzte wurde übrigens noch ganz im alten Stil durchgeführt, sozusagen mit Zuckerbrot und Peitschl. Heute könnten wir so etwas leicht automatisieren, wir haben ja jetzt den größten Hobel Europas.
ZRL: Wozu wird eigentlich so viel geröchelt? Was ist – lassen Sie es mich sozusagen ganz philosophisch fragen – der tiefere Sinn?
Prof. Müllsäger: Das ist eine sehr gute Frage; man sollte sie nicht durch eine Antwort verderben. Lassen Sie mich aber doch noch erwähnen, daß dadurch, daß wir den größten Hobel …
ZRL: Eine Nuance anders gefragt: was röcheln die Leute denn?
Prof. Müllsäger: Ganz einfach. Eine gewisse Komplexität des Röchelsystems vorausgesetzt, versteht keiner mehr, was er eigentlich röchelt. Dies herauszufinden, ist natürlich ein weit komplexeres Problem, welches den Einsatz größerer Röchelanlagen notwendig macht. Wir hier am Neidblitz-Röchelzentrum haben in dieser Entwicklung schon recht gute Fortschritte gemacht; wir haben jetzt immerhin den größten Hobel in der Alten Welt.
ZRL: Am Neidblitz-Röchelzentrum wird doch auch Forschung betrieben?
Prof. Müllsäger: Aber gewiß doch. Eine Hälfte unserer Mitarbeiter erforscht unser gegenwärtiges Röchelsystem, das, wenn überhaupt, nur historisch zu verstehen ist. Die andere Hälfte widmet sich der Durchforschung der Prospekte der Hersteller, um herauszufinden, welches gegenwärtig der größte Hobel der Welt ist; man will ja schließlich auf dem laufenden bleiben.
ZRL: Welche sind Ihre Zukunftspläne für das Neidblitz-Röchelzentrum?
Prof. Müllsäger: Wir werden alles daransetzen, den größten Hobel unseres Sonnensystems bei uns aufzustellen; nicht umsonst arbeiten wir ja seit Jahren auf dieses Ziel zu.
ZRL: Wahrhaftig, nicht umsonst. Herr Prof. Müllsäger, wir danken für dieses Interview.