ArtikelDie Swahili-Fibel
VerfasserHelmut Richter
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Kapitel3. Substantive: keine klassenlose Gesellschaft
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enthältFortsetzung des Kapitels

Klasse und Wortbedeutung

Jeder Klasse hat ein bestimmtes Präfix für die in ihr enthaltenen Substantive, das jedoch in manchen Klassen je nach den folgenden Lauten variiert und das bei den Klassen 5, 9 und 10 (Präfixe ji- und n-) meistens wegfällt; genaueres siehe Tabelle. Es gibt keine Wörter, die einer Klasse angehören, aber nicht die zugehörige Form aufweisen. Umgekehrt enthalten die Klassen vornehmlich Wörter mit bestimmten Bedeutungen. Hierbei gibt es allerdings viele Abweichungen und Ausnahmen, so dass man kaum von der Bedeutung allein auf die Klasse schließen kann. Trotzdem kann die Bedeutung sehr helfen, die richtige Klasse zu finden, wenn die Form allein zur Bestimmung nicht genügt, insbesondere bei den Substantiven ohne Präfix – leider hilft das nicht immer.

Übersicht

Hier sind die typischen Bedeutungen der Wörter in den einzelnen Klassen, sowie zur Illustration, dass das nicht ausnahmslos gilt, auch ein paar „falsch“ eingeordnete Wörter. Der Pfeil trennt wieder Singular und Plural; bei den Präfixen sind Varianten, insbesondere vor Vokal und Konsonant, nicht mit angegeben.

Es folgen noch einige Erläuterungen zu dieser Einteilung, vor allem, um zu zeigen, wie sich bei gleichem Wortstamm die Bedeutung mit der Vorsilbe, also mit der Klasse, verändert.

Pflanzen und ihre Früchte

Früchte und andere pflanzliche Produkte gehören wie Pflanzenteile meist der Klasse 5 an und bilden den Plural mit der Vorsilbe ma-: nanasi (Ananas), chungwa (Orange), danzi (Grapefruit), tofaa (Apfel), embe (Mango), nyanya (Tomate), bamia (Okra), mahindi (Mais) als Plural von hindi (Maiskorn), pamba (Baumwolle). Einige andere gehören der Klasse 9 an und werden daher im Plural, soweit man ihn sinnvoll bilden kann, nicht verändert: buni (Kaffeebohne), chai (Tee), kakao (Kakao), korosho (Cashewnuss), zabibu (Weintraube). – Die Pflanzen, die diese Erzeugnisse hervorbringen, heißen nun so gut wie immer wie ihre Frucht, gehören aber der Klasse 3 an und beginnen daher mit m- (oder vor Vokal mw-), was im Plural zu mi- wird: mnanasi, mchungwa, mdanzi, mtofaa, mwembe, mnyanya, mbamia, muhindi, mpamba, mbuni (daneben auch mkahawa von kahawa (Kaffee)), mchai, mkakao, mkorosho, mzabibu.

Großes und Kleines

Kommen in verschiedenen Klassen Wörter mit demselben Wortstamm vor, so bezeichnen meist die in Klasse 5 mit der Vorsilbe ji- (oder vor Vokal j-) etwas Großes und die in der Klasse 7 mit der Vorsilbe ki- etwas Kleines, wobei letztere manchmal nach der Vorsilbe ki- auch noch die Vorsilbe einer anderen Klasse haben; dann ists eher etwas noch Kleineres.

Großes in Klasse 5 trägt zwar fast immer die Vorsilbe ji-, aber doch nicht immer:

Hier heißt es aufpassen: die Singularformen fagio und pande (Klasse 5) sind gleichzeitig die Pluralformen von anderen Wörtern, nämlich von ufagio und upande (Klasse 11).

Abstrakta, Kategorien

Für die Klasse 7 war als mögliche Bedeutung „Kategorien“ genannt worden. Das unterscheidet sich von den „abstrakten Begriffen“ in vielen anderen Klassen deutlich. Es handelt sich dabei um Eigenschaften wie beispielsweise Herkunft, Farbe oder Geschlecht, mit denen Dinge oder Personen in wohldefinierte, voneinander getrennte Mengen einsortiert werden. Das sind Wörter der Klasse 7 ohne Plural, die fast immer zusammen mit wa/ya/la/… wie Adjektive gebraucht werden. Andere abstrakte Wörter als solche Kategorien gibt es in Klasse 7 nur sehr vereinzelt. Beispiele: Die Wörter kike (Weibliches), Kizungu (Europäisches, zu Weißen gehöriges), Kijerumani (Deutsches), kienyeji (Einheimisches), kigeni (Fremdes) und kijani (Grünes) kommen alleine nicht oder sehr selten vor, jedoch durchaus in Wendungen wie mwalimu wa kike (Lehrerin), lugha za Kizungu (europäische Sprachen), Afrika ya Mashariki ya Kijerumani (Deutsch-Ostafrika), mganga wa kienyeji (einheimischer Heiler, vulgo „Medizinmann“), nchi za kigeni (Ausland) und kikombe cha kijani (grüner Becher).

Abstrakta, die keine Kategorien sind, finden sich in vielen verschiedenen Klassen, oft auch mit der Endung -o statt -a. Von Adjektiven abgeleitete Substantive sind eher in Klasse 14, und abstrakte Begriffe, die ohne verwandtes Verb aus fremden Sprachen übernommen wurden, in Klasse 9. Vor allem bei Nationalitäten, aber nicht nur dort, gibt oft es parallel Wörter der Klasse 14 entweder für den abstrakten Begriff oder für das Land, der Klasse 1 für Personen, sowie der Klasse 7 für die Kategorie. Aber Achtung: Ländernamen mit U- werden trotz ihrer Herkunft, die auf Klasse 14 deutet, wie Wörter der Klasse 9 behandelt.

Die Klassen 11 und 14

Die Unterscheidung in den Tabellen zwischen Klasse 11 und Klasse 14 hat ihren Ursprung im Vergleich mit anderen Bantusprachen, wo sie sich im Präfix unterscheiden, etwa lu- und bu-. Dem Swahili-Lernenden kann das egal sein; die beiden Klassen sind in Swahili zu einer zusammengefallen. Unterschiedlich ist nur die Pluralbildung: konkrete Dinge haben typischerweise ihren Plural in Klasse 10; abstrakte haben entweder keinen Plural oder leihen sich Klasse 6 für die Pluralbildung aus: dann wird der Plural eines Wortes der Klasse 5 mitverwendet, z.B. die Formen upendo, pendo und mapendo in den Klassen 14, 5 und 6, die alle drei Liebe bedeuten – dabei muss das Wort der Klasse 5 nicht unbedingt gebräuchlich sein, wie bei ugonjwa (Krankheit) mit dem Plural magonjwa. Die meisten Wörter der Klasse 14 sind aber von Adjektiven abgeleitet und haben keinen Plural: wema (Güte), uzuri (Schönheit), uhuru (Freiheit).